Kulturlandschaft

Die Eifel war ursprünglich eine blühende Kulturlandschaft. Kelten, Römer, Franken und Karolinger bestimmten die Kultur in der Eifel und hinterließen mancherlei Kulturwerke. Nach dem Zerfall der kaiserlichen Zentralgewalt zersplittert das Gebiet in zahlreiche kleine Eifeldynastien und wird beeinflusst von vier Großterritorien, Jülich, Köln, Trier und Luxemburg. Für die Kunst des Landes war diese Zugehörigkeit zu vier geographisch so unterschiedlich ausgerichteten Mächten von großer Bedeutung.

Sebastian Münster schrieb in seiner „Cosmographia Universalis“ im 16. Jahrhundert noch von einem blühenden Land. Wie kein zweiter Teil in Deutschland geriet bis in unser Jahrhundert dieser Landstreifen in völlige Vergessenheit, man sprach deshalb auch vom „Rheinischen Sibirien“. Hungersnöte und Wolfsplagen herrschten um 1838 in der Eifel.

„Die ersten, die mit dem Irrtum eines geschichtslosen Armenhauses aufzuräumen begannen, waren romantische Literaten und Künstler des vorigen Jahrhunderts. Sie standen erstaunt vor den zum Teil gewaltigen Ruinen von 140 Burgen, fanden in malerischen Tälern große, verfallene Klosteranlagen, und in den baufälligen Kirchen windschiefer, halb verlassener Fachwerkstädtchen entdeckten sie kostbare Zeugnisse romanischer Kunst und prächtige, gemalte und geschnitzte Altäre unbekannter Herkunft. Es wurde ihnen klar, dass sie sich hier auf den Spuren einer in Trümmern versunkenen und vergessenen Zeit kultureller Blüte (…) befanden.“ Noch heute gleichen die Wege zur Kunst der Eifel mancherorts einer Entdeckungsreise.

Die Residenzstadt Kronenburg

 

Kronenburg im Mittelalter
Kronenburg im Mittelalter

In der Hoch- und Vulkaneifel im oberen Kylltal liegt die alte Residenzstadt Kronenburg, etwa 550-630 Meter über dem Meeresspiegel. Die obere Kyll gehört zum Wasserspiegel der Mosel. Doch unmittelbar nördlich verläuft die große Wasserscheide mit den Wassereinzugsgebieten von Rhein und Maas und es ist diesen Gebieten nicht weniger verbunden als der Mosel. Kronenburg nimmt, bedingt durch seine Lage, zu Nord- und Südeifel eine Zwischenstellung ein. Seine Geschichte legt dafür vielfältiges Zeugnis ab. Etwa 750-900 n. Chr. (in der Karolingerzeit) dringen die Mönche der berühmten Benediktinerabteien Stablo-Malmedy und Prüm immer stärker in den Eifelraum vor und führen neue Rodungen in der Hocheifel durch. In der späteren Herrschaft Kronenburg besitzen diese Klöster auch in den folgenden Jahrhunderten beachtliche Liegenschaften. Deshalb ist es auch verständlich, daß eine Urkunde der Abtei Stablo-Malmedy die erste Erwähnung der Ortschaft Kronenburg im Jahre 1277 bringt. Aus dieser Zeit gibt es auch einen Hinweis auf eine Niederlassung des Johanniter-Ritterordens in Kronenburg. Beide Urkunden weisen darauf hin, dass wir es schon mit einer Älteren Ansiedlung zu tun haben, denn Herrschaftsbereich und Burg sind bereits vorhanden. Die genaue Entstehungszeit ist jedoch nicht mehr festzustellen.

Bewegte Zeiten

 

Historische Ansicht von Kronenburg
Historische Ansicht von Kronenburg

Um 1277 gehörte Kronenburg zur Herrschaft der damals mächtigen Edelherren von Dollendorf. Sie waren wechselseitig mit der Jülicher, Kölner und Luxemburger Seite verbunden, aber auch Trier erkaufte sich Rechte in der Herrschaft Kronenburg.

Während seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen Herrschaftsgebieten bleibt Kronenburg aber letztlich luxemburgisch und bildet mitten in der Eifel auch eine spanische Enklave, wodurch es im Volksmund den Namen „Spanisches Ländchen“ erhielt.

 

Blütezeit

Geradezu einen wirtschaftlichen Aufschwung nimmt die Eifelgegend 1794 mit der Besetzung durch die Franzosen. Sie nutzen jetzt die vorhandenen Eisengruben intensiver aus, und damit beginnt eine neue Blütezeit. Sie unterstellen nach drei Jahren das Gebiet der französischen Republik. Kronenburg wird zum Maasraum hin orientiert.

Die Franzosen machen es zum Hauptort eines Kantons, der zum Arrondissement Malmedy gehört. Mit dem Sturz Napoleons hört die Herrschaft der Franzosen auf.

Das Ende der Eisenhütten

Kronenburg, einst Mittelpunkt eines Herrschaftsbereichs und Kantonhauptstadt, verliert in der Preußenzeit völlig an Bedeutung. Die Verwaltungsbehörden haben Kronenburg verlassen, nur das einst herrschaftliche Notariat hält sich bis 1870 und wandert dann auch ab. In der Mitte des 19. Jahrhunderts schließen die Eisenwerke in Kronenburgerhütte und Hammerhütte.

Die gesamte Entwicklung in den letzten 150 Jahren hat sich für Kronenburg wirtschaftlich ungünstig ausgewirkt. Der Ort, der um 1800 noch 600 Einwohner hatte, sinkt bis 1900 auf 350 Personen ab.

„Die Kronenburg erhebt sich etwa 100 Meter über dem Kylltal auf einer Bergkuppe, die in unregelmäßiger ovaler Form eine Ausdehnung von etwa 100 x 200 Meter hat. Nach allen Seiten fällt das Gelände schroff ab. Nur am Nordende besteht eine schmale Erdbrücke.“

Für die wenigen Einwohner Kronenburgs im 19. Jahrhundert sind die mächtigen Umfassungsmauern und die alten Tore kein Hindernis und dadurch ist für die Nachwelt ein Stück unverfälschtes Mittelalter erhalten geblieben. Um 1890 und 1910 brennt jedoch ein Teil der alten Häuser ab. An diesem Ort verdichten sich aber heute noch landschaftliche, historische und künstlerische Charakteristika dieses Landes wie an kaum einem anderen.

„Der abseits gelegene kleine Ort hat, durch keinen Neubau berührt, das Aussehen eines jener typischen Burgstädtchen bewahrt, wie sie in der Eifel viele kleine Adelige um ihre Stammburgen entstehen ließen. Hinzu kommt, dass auch die Lage dieses Ortes in der Landschaft sich dem Betrachter wie im Mittelalter darbietet.“

 

Nach dem ersten Weltkrieg wird der romantisch gelegene Ort neu entdeckt. In den Jahren 1933-1937 kommen die Studenten der Kunstakademie Xanten jedesmal für drei Sommermonate nach Kronenburg.

1938 wird hier unter der Leitung von Werner Peiner eine „Meisterschule für Malerei“ eröffnet, die mit dem Zweiten Weltkrieg geschlossen wurde. Im Wiederaufbau wurde das Objekt für die Sommerakademien der Kunsthochschule Düsseldorf und Lehrerfortbildungen des Landes NRW wieder entdeckt. 

Kronenburg hat sich mit einigen Abwegen zum Künstlernest entwickelt. Hier wirken mehrere Maler und bringen die Landschaft der Hocheifel und ihre Menschen in immer neuen Motiven auf die Bildfläche. Die ansässigen künstlerischen Werkstätten und Ateliers haben sich auch über die Eifel hinaus einen Namen erworben.

Die ehemalige Residenzstadt hat sich wieder über die umliegenden Dörfer herausgehoben, diesmal als Kulturzentrum, Künstleridyll, Luftkurort und Treffpunkt naturverbundener Wanderer. Sehenswert sind die jährlich an einem Wochenende im September stattfindenden Kronenburger Kunst- und Kulturtage (KKK).

Ein Besuch Kronenburgs gehört somit in mancherlei Hinsicht zu den Höhepunkten einer Eifelreise.